Konzern-Analysen
VW legt beim Sparziel nach: Salamitaktik, Missmanagement und die Konsequenz für 50+
Wenn Restrukturierungsziele in Monatsabständen nach oben korrigiert werden, verliert die Konzernführung ihre Glaubwürdigkeit. Die Nachricht über weitere Einsparungen bei Volkswagen offenbart ein Muster, das im Corporate-Umfeld wohlbekannt ist: Entweder handelt es sich um eine bewusste Salamitaktik, um Einschnitte scheibchenweise durchzusetzen – oder um schlichtes Missmanagement in der Prognose.
Das Ergebnis bleibt dasselbe: Der Druck wird ungefiltert auf die Belegschaft und vor allem auf das mittlere sowie obere Management weitergegeben.
Für Führungskräfte und erfahrene Spezialisten 50+ ist das die Bestätigung einer bitteren Wahrheit: Aussitzen ist die gefährlichste Strategie.
Die 3 Gefahren der Restrukturierungs-Salamitaktik
Wer hofft, dass die Welle an der eigenen Abteilung vorbeizieht, übersieht die Mechanik sukzessiver Sparwellen:
Sinkende Abfindungs-Budgets: In der ersten Welle verhandeln Konzerne oft mit großzügigen Budgets und hohen Faktoren. Je mehr Milliarden eingespart werden müssen, desto strenger werden die Deckelungen für spätere Runden.
Steigender Zermürbungsdruck: Aufgaben werden verteilt, Teams verkleinert, Titel entwertet. Der Arbeitsdruck steigt, während der Gestaltungsspielraum sinkt.
Schlechterer Landeplatz: Wer erst agiert, wenn das eigene Team aufgelöst wird, muss unter Zeitdruck suchen – die schlechteste Ausgangslage für einen Wechsel in den Mittelstand oder die Beratung.
Die Konsequenz: Vorbereitung statt Hoffen
Vor diesem Hintergrund gilt eine klare Regel: Wenn sich die Gelegenheit ergibt, das Unternehmen mit einer Abfindung zu verlassen, sollte man nicht erst anfangen nachzudenken, wenn das Angebot auf dem Tisch liegt.
Die Vorbereitung auf den Ausstieg muss vor der ersten Verhandlungsrunde beginnen:
Die Standortbestimmung: Welche Ziele verfolgen Sie für die nächsten fünf bis zehn Jahre? Festanstellung im Mittelstand, Interim-Mandate, eigene Beratung oder Privatier?
Die Profil-Übersetzung: Ist Ihr Werdegang so aufbereitet, dass mittelständische Inhaber nicht „Konzern-Wasserkopf“, sondern sofortigen Mehrwert sehen?
Der zeitliche Vorlauf: Eine solide Anschluss-Perspektive braucht sechs bis zwölf Monate Vorlauf. Bei einem Wechsel in eine eigene Firma eher noch länger um zumindest Product-Market-Fit getestet zu haben.
Fazit: Agieren, solange die Position stark ist
Wer die Phase der Unsicherheit nutzt, um im Hintergrund den eigenen Landeplatz und die Verhandlungsposition (inklusive Freistellungs- und Sprungbrettstrategie) aufzubauen, verwandelt das Konzern-Chaos in seinen persönlichen Befreiungsschlag.
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