Konzern-Analysen
Titel-Abbau bei Siemens & Co.: Manifestierte Verzweiflung oder Vorstufe zum Management-Abbau?
Das Abschaffen von Führungsebenen und das Streichen von Management-Titeln wird von Konzernvorständen gerne als moderne Kulturtransformation oder „Delayering“ verkauft. Blickt man jedoch hinter die HR-Rhetorik, zeigt sich oft das Gegenteil: Es ist die manifestierte Verzweiflung eines Managements, dem operative Stellschrauben zur echten Leistungssteigerung fehlen.
Zusätzlich ist es ein nachgewiesener Demotivator. Gestern war man noch CFO der Landesgesellschaft in Südafrika oder CEO in Ungarn, ab jetzt ist man Head of Finance.
In Deutschland mag ein reduzierter Titel noch kaschiert werden – solange der Dienstwagen als Statussymbol vor der Tür steht. Doch auf internationalen Märkten wie den USA oder Asien ist diese Strategie fatal: Ein Manager ohne adäquaten Titel bekommt bei Kunden oder Partnern schlichtweg keinen Termin mehr. Da ist der Head of Finance halt der Oberbuchhalter.
Was im Windschatten dieser Demotivierung passiert ist die Vorbereitung der Restrukturierung.
Für Führungskräfte bei Großkonzernen wie Siemens ist diese Entwicklung ein unmissverständliches Signal.
Die 3 Phasen der Führungsebenen-Gleichschaltung
Wenn HR anfängt, an Organigrammen und Hierarchie-Titeln zu schrauben, folgt die Restrukturierung meist einem festen Muster:
1. Entwertung der Funktion
Durch die Abflachung von Hierarchien werden Entscheidungsbefugnisse beschnitten oder in globale Matrix-Strukturen verlagert. Der individuelle Einfluss sinkt.
2. Vorbereitung der Budget-Kürzung
Dann können Leitungsfunktionen entfallen und Stelle und StelleninhaberIn stehen zur Disposition.
3. Der sanfte Kündigungsdruck
Sobald die Aufgabenbereiche umgestaltet sind, wird der Verbleib im Konzern unattraktiv gemacht – der Weg für den Aufhebungsvertrag ist geebnet.
Die Strategie für Führungskräfte 50+: Goldener Handschlag mit Landeplatz
Wer die Zeichen der Zeit erkennt, wartet nicht ab, bis HR das Gespräch sucht. Die Devise für erfahrene Manager lautet: Vorbereitet sein, wenn das Angebot kommt.
Den Landeplatz vorab definieren: Wer eine klare Anschluss-Perspektive hat (ob im Mittelstand, als Interim Manager, Berater oder im geordneten Übergang in den Privatier-Status), verhandelt aus einer Position der Stärke.
Die Freistellung strategisch nutzen: Verhandeln Sie nicht nur über die Abfindungssumme, sondern über ausreichend bezahlte Zeiträume zur beruflichen Neuausrichtung.
Das Ineinandergreifen von Verhandlung und Zukunftsplan: Nutzen Sie die Abfindungsdynamik des Konzerns, um sich – metaphorisch gesprochen – „mit vorgehaltenem Geld zwingen zu lassen“, das Unternehmen zu Ihren Konditionen zu verlassen.
Fazit: Agieren statt Reagieren
Die Umstrukturierung der Führungsebenen bei Siemens und anderen Industrieikonen ist kein temporärer Trend, sondern der Beginn der nächsten Restrukturierungswelle. Wer jetzt seine Hausaufgaben bei Profil, Netzwerk und Anschluss-Strategie macht, wandelt das Konzern-Signal in einen persönlichen Befreiungsschlag um.
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